Brief 64 - Es ist mal wieder an der Zeit...

Es ist mal wieder an der Zeit…

 

Die Vögel wissen es: In der Frühe sind sie wieder am Flöten und kündigen unüberhörbar den Frühling an.

Tagsüber sind viele von ihnen am Nester bauen. In luftiger Höhe, auf dem Wasser schwimmend oder in Boden und Baum versteckt wird eifrig gemeisselt, gegraben, geflochten, gewoben, gefilzt, geleimt oder handwerklich mit Lehm und Erde gemauert.

Als im letzten Sturm vor meinem Praxisraum das seit Jahren benutzte Nest eines Elsterpaars, das vom Boden aus betrachtet nur aus groben Zweigen zu bestehen schien, heruntergeweht wurde, offenbarte sich die stabile, aber weiche Innenauskleidung aus feinsten Fasern und Moos. Vogelnester sind Kunstwerke.

Andere Artgenossen, man geht von rund 50 Milliarden (!) aus, sind bereits über tausende von Kilometern aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Den Rekord hält dabei übrigens eine Pfuhlschnepfe. Diese gefährdete Art mit einer Körperlänge von etwa 40 cm. findet sich auch bei uns im Wattenmeer. Ein mit einem Sender ausgestattetes Exemplar flog im Oktober des vergangenen Jahres von Alaska nach Neuseeland und knackte dabei erstmals die 12.000-Kilometer-Marke. Nonstop, versteht sich!

 

Ich möchte aus Dir keinen Ornithologen machen. Aber das Bewusstsein auf das Wunder der Schöpfung lenken, das möchte ich allemal. Gerade wenn es sich, wie bei den Vögeln, unmittelbar vor Deiner Haustür abspielt.

Da stellt sich doch schon mal die Frage, woher die Tiere denn das „Wissen“ darüber haben, was zu tun ist? Wissenschaftler antworten darauf mit genetischen Erklärungen. Für mich bleiben solche Modelle an der Oberfläche. Denn wer den Bauplan für die Gene geschrieben hat, bleibt dabei unbeantwortet. Das Wunder bleibt unserer ach so fortschrittlichen Forschung ein Rätsel, an das man sich noch nicht mal rantraut!

 

Falls Dir nicht nach frühem Aufstehen zum Lauschen des Vogelgesangs oder mühevollem Suchen nach ach so gut versteckten Vogelnestern sein sollte, ist das gar kein Problem. Das Wunder der Schöpfung ist immer nur eine Armeslänge von Dir entfernt: Schon Kant beklagte die tiefe Unwissenheit über die Urfrage, von der alles andere abhängt, nämlich wie die Seele, „eine unmaterielle Natur, in einem Körper und durch diesen wirksam sein könnte“, daher uns eine so banale Handlung wie etwa eine Armbewegung, bei der ein Willensakt sich in einem raumzeitlichen Vollzug übersetzt, ewig wunderbar, weil unerklärlich bleibt.

 

Du denkst, Du könntest fast alles erklären. Aber wenn Du genau hinschaust und ein Bewusstsein für das entwickelst, was in Dir und um Dich passiert, kannst Du doch nur ehrfürchtig staunen!

Mit jedem Pulsschlag, jedem Atemzug und jeder Armbewegung kann Dir bewusst werden, dass Du selbst ein Teil des Wunders der Schöpfung bist.

 

Sich dessen wieder bewusst zu werden, verändert Dich und Deine Sicht auf die Welt. Es ist mal wieder an der Zeit...