Brief 307 - Das Leben lebt sich selbst

Zum Schluss des letzten Briefes sprach Rumi von einer offensichtlich entscheidenden Aufgabe, die wir zu erfüllen haben. Eine Idee dazu blieb er aber schuldig.

 

Dies hatte mich zu der These veranlasst, dass das Leben Dich als Kanal braucht und es dazu vor allem Deiner bewussten Präsenz bedarf.

 

Denn: Das Leben lebt sich selbst!

 

Nur: dies zu verinnerlichen ist nicht so einfach. Wir wollen die Kontrolle über unser Leben haben, und dies in allen Bereichen: von unserem Denken über unseren Körper, unsere Gesundheit, unsere Beziehungen, unseren Beruf oder unsere Finanzen.

Aber keiner von uns hat diese Kontrolle! Und das macht uns Angst.

 

Kanal zu sein bedeutet, das Spiel des Lebens mitzuspielen.

Das heißt ganz konkret: annehmen, was gespielt wird. Es darf sein, wie es ist!

Alles ist in Ordnung: jedes Gefühl und jede Emotion. Die pure Lebensfreude genauso wie die gerade erwähnte Angst.

 

Was aber, wenn Du etwas nicht annehmen kannst, wenn Leiden oder Wut zu mächtig sind?

Dann betrachte es als in Ordnung, dass Du diesen Teil des Spiels des Lebens jetzt gerade nicht zulassen kannst!

 

Der 1945 in Amerika geborene und weltweit als buddhistischer Lehrer tätige Jack Kornfield rät:

 

Wenn Leiden oder Wut auftauchen, dann nimm das Leiden oder die Wut an. All diese Emotionen sind der Buddha in seinen verschiedenen Formen: der Sonnen-Buddha, der Mond-Buddha, der glückliche Buddha, der traurige Buddha.

Es ist das Universum, welches Dir alles darbietet, was es gibt, um Dich zu erwecken und Dein Herz zu öffnen.

(Originaltext in die „Du“-Form umgewandelt)