Brief 119 - Deine Berufung

„Davon verstehst Du nichts!"

Viele haben solche Botschaften so oft gehört, dass sie sich üblicherweise - getreu dem Motto "Schuster, bleib bei Deinem Leisten!“ zurückhalten.

Freilich ist das bei Themen, mit denen wir uns tatsächlich nicht auskennen, klug. Aber solche Sätze werden leider auch dazu missbraucht, Menschen mundtot zu machen und ihre Meinung nicht gelten zu lassen.

 

Davon hätte auch der 1575 geborene Jakob Böhme ein Lied singen können. Er wurde als Knabe seiner schwächlichen Konstitution wegen zu einem Schuhmacher in die Lehre geschickt und ließ sich nach seinen Wanderjahren 1599 in seiner Heimatstadt Görlitz ebenfalls als Schuhmacher nieder. In den darauffolgenden Jahren hatte er mindestens drei mystische Erfahrungen, die er zunächst nicht öffentlich machte.

Erst zehn Jahre später hielt er diese handschriftlich in seinem ersten Werk fest. Zu damaliger Zeit für einen einfachen Schuhmacher, der nie studiert hatte, eine erstaunliche Tat. Prompt hielt der damalige Hauptpastor der Görlitzer Peter- und Paulskirche das Werk für häretisch und ging gegen Böhme beim Stadtrat vor, der ihn kurzzeitig arrestierte und mit einem Schreibverbot belegte.

Nach Jahren des Schweigens ließ er sich durch Freunde überreden, erneut zu schreiben. Und das tat er bis zu seinem Tod - trotz neuerlicher Anklagen und Anfeindungen. Seinem letzten Glaubensverhör musste er sich noch auf seinem Sterbebett stellen.

 

Es scheint, dass dieser einfache Schuster nicht bei seinem Leisten bleiben wollte. Bis heute gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Mystiker, Philosophen und christlichen Theosophen. Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“.

 

Jakob Böhmes Geschichte erinnert mich an den folgenden Abschnitt aus dem Vorwort zu Prentice Mulfords Buch „Unfug des Lebens und des Sterbens“:

 

„Er hieß Prentice Mulford und war - Journalist!!! Der Erleuchtete ist nämlich immer genauso, wie man ihn nicht erwartet. Nach Zeit und Ort wird ihm die Maske gewählt. Suchte man ihn nach Buddhas Beispiel unter Königssöhnen - war er ein Zimmermannskind! Hält man seit Jakob Böhme ein Aug auf den Schuster - wird er plötzlich Journalist. Der nächste Heiland ist vielleicht in seinem bürgerlichen Beruf Chauffeur!“

 

Entspricht Dein bürgerlicher Beruf eigentlich Deiner Berufung? Passt Dein Leisten noch zu Deinem Fuß?

Falls nicht, könntest Du Dir für Deinen weiteren Lebensweg mal etwas mehr „Luft nach oben“ gönnen - auch wenn Du damit Neuland betrittst und schlimmstenfalls wie Jakob Böhme angefeindet wirst.

Wozu auch immer Du Dich berufen fühlen solltest: Teile es mit der Welt!

 

Anette, Teilnehmerin meiner Pilgertouren und von „bürgerlichem“ Beruf Grafik-Designerin, wollte sich für den Frieden einsetzen und hat Signete entworfen, die ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen.

Mit solchen Schritten fängt es an. Und wer weiß, ob nicht etwas Großes daraus entsteht?

Zum Abschluss eines dieser Signete. Mit der ausdrücklichen Genehmigung, dass Du es gerne teilen und verwenden darfst.